KNOP-X |
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Der VEB KNOP-X ist ein nicht real existierender Betrieb mit mehreren hundert Mitarbeitern. Es ist ein Dienstleistungsunternehmen mit einem sehr breiten Leistungsspektrum. Produkte sind zum Beispiel Groszanzeigen, Minuskeln oder RGB-Umwandlungen. Das sind fiktive Produkte, genauso fiktiv wie das Universum drumherum. Der Betrieb bietet seinen Kunden alles – von der Idee bis zum fertigen Produkt, wie am Beispiel der RGB-Umwandlung beschrieben.
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INHALT
Es handelt sich um einen Betrieb, in dem erfunden, gestaltet und produziert wird. Damit vereint er das, was heute viele verschiedene Dienstleister (Consulting Unternehmen, Werbeagenturen, Designagenturen, Lithographen und Druckereien) anbieten. Damit alles in den 7 Werken mit den 1899 Mitarbeitern funktioniert, besitzt der Betrieb feste Strukturen und Regeln. Ordnung muss sein, das steigert die Produktivität. Diese Regeln sind teilweise 1:1 aus dem Vokabular der DDR-Zeit von mir übernommen worden, wie das Beispiel: „Es liegt in Deine Hände, verhüte Brände!” Teilweise habe ich aber auch von dieser Welt ausgehend eigene Gesetze geschaffen. Zum Beispiel: „Das Umherspritzen mit Volltönen ist verboten.” Es gibt eine Firmengeschichte von 1906 bis heute. Der Betrieb ist in unser Jahrhundert eingebunden und nimmt an Zeitgeschehnissen, wie dem Mauerbau oder dem Potsdamer Abkommen teil. Damit soll der Betrieb dem Leser und Betrachter authentisch erscheinen. Wirkliche und erfundene Elemente werden miteinander verknüpft. Der Graphische Groszbetrieb ist untergliedert in 7 Werke, die jeweils durch verschiedene Spezialabteilungen gekennzeichnet sind. Damit gleicht dieser Betrieb einem Kombinat der DDR. Während sich in Slibowicé die multimediale Erprobung befindet, steht in Rebesgrün das Stammwerk. In letzterem befindet sich die Führungsebene. Neben den gestaltenden und produzierenden Abteilungen befinden sich Sonderabteilungen, so die WaSi (Werksangestelltensicherheit), die Kampfgruppe oder der Betriebsfunk. Die Werktätigen werden ständig durch Betriebsfeiern, Urlaub in FDGB-Ferienheimen oder Staropramen motiviert. Staropramen ist das Werksbier, das nur für den VEB KNOP-X gebraut wird und direkt durch die „grosze Staropramentrasse“ geleitet wird, die alle Werke und die Brauerei in Staroslaw verbindet. Die Werktätigen leben hier in ihrer eigenen Welt. Unweit der Werksanlagen befinden sich die Werkarbeitersiedlungen, wohin die Werktätigen nach Schichtende und Staropramenmiszbrauch kostengünstig mit dem werkseigenen Omnibusverkehr befördert werden. Oder sie erholen sich in den angrenzenden Werksbegleitgrünanlagen bzw. im betriebseigenen Feuchtbiotop. Es gibt die Werktätigen der Woche, es gibt Orden und Ehrungen, es gibt Zentralwerktätige, die den Betrieb leiten und es gibt Arbeiter, die die Geschichte des Betriebes besonders geprägt haben. So war eine führende Persönlichkeit in der Geschichte des Betriebes Meusche Achselschweisz. Er war von Anfang an mit dabei, mit 70 Jahren wurde ihm der Orden Held der Arbeit verliehen und heute genießt er seinen verdienten Ruhestand in der Werkarbeitersiedlung und verwaltet dort die Akten der WaSi. Man entdeckt Lagerhallen, die ständig nachgefüllt werden. Man findet Werkskantinen, die die Werktätigen auf Vorlage von Speisemarken mit Nahrung versorgen oder Werkskioske, wo es Staropramen und Juwelzigaretten zu kaufen gibt. Es gibt Festzelte, Sportanlagen, Luftschifflandeplätze und das Werkskesselhaus, welches angebunden ist an die Eisenbahn (Brikettsversorgung per Bahn) und die nötige Wärme sowie den elektrischen Strom für die Anlagen liefert. Der VEB KNOP-X hat somit eine eigene Infrastruktrur. Auch für die medizinische Betreuung wird gesorgt – durch die werkseigene Poliklinik. Poliklinik heißt hier, das der Werktätige rund um seine Gesundheit betreut wird. Angefangen von der geistigen Verfassung, über die notwendigen Impfungen und ständigen zahnärztlichen Untersuchungen bis hin zur Entbindung neuer Werktätiger. Diese medizinischen Maßnahmen waren in der DDR gang und gebe. Die Menschen gingen nicht zum Arzt, der Arzt kam zu Ihnen. Es wurden die Zähne kontrolliert, nach Läusen gesucht und geimpft. Der Werktätige hatte gesund zu sein. Nichts wird ausgelassen. Der Graphische Groszbetrieb ist ein in sich geschlossenes System. Der Betrieb ähnelt einem Staat der nach außen hin durch eine Werksschutzmauer abgegrenzt wird. Die Werktätigen sind gefangen in einem System. Ähnlich gefangen wie die Menschen zu Zeiten der damaligen DDR, gefüttert von der Propaganda und dem System selbst. Das in den Werken der DDR-Alkohol während der Arbeitszeit getrunken wurde, war Realität. Staropramenmiszbrauch ist die Realität dieses Werkes. In der DDR wurden Werktätige nicht entlassen, da es in diesem System keine Arbeitslosen geben durfte. Andere Masznahmen sollten den Werktätigen erziehen. Üblich waren Disziplinarmaßnahmen und Versetzungen in Abteilungen mit weniger anspruchsvollen Arbeiten. Auch im VEB KNOP-X werden Werktätige nicht in die Arbeitslosigkeit geschickt, sondern wandern in die Durchschiezerei. Die Welt des VEB KNOP-X ist nicht nur eine Überspitzung der Zeit der DDR, sondern diese Welt karikiert auch die Jetztzeit. „Der Maschinenreiniger ist nur zum Reinigen der Maschinen vorgesehen...“ Es passiert tatsächlich, das in den Nachtschichten einer Großdruckerei der Maschinenreiniger mit Cola gemischt wird. Parallel dazu wird gegrillt. Die Welt des VEB KNOP-X gibt keinesfalls das richtige Leben wieder, vielmehr persifliert sie es. Auf unterhaltsame Art und Weise werden viele normal erscheinende Dinge des Lebens überspitzt dargestellt.
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